Kapitel 22: Ein Engel für Coscoon


„Da fahren wir hin!“, Sonja wedelt mit einem Papier vor meiner Nase herum. Die Entschlossenheit in ihrer Stimme macht jede Widerrede sinnlos. „Auf der Cosmetic Business können wir uns ansehen, wie die Kosmetikindustrie hinter den Kulissen tickt und wir können hoffentlich die Zulieferer im Bereich Verpackung genauer unter die Lupe nehmen.“

Gesagt. Getan. Ich steige trotz Flugangst ins Flugzeug nach München. Keine Ahnung, was uns erwartet. Wir durchstreifen die langen Gänge. Sonja schnuppert sich durch die Regale, findet kleine Fläschchen und Döschen und wir fühlen uns wie im Paradies. Zuvor konnten wir nur im Netz recherchieren, jetzt ist alles anfassbar, live und in Farbe.

Allerdings ist auch klar: Wir gehören nicht zur klassischen Klientel, auf die die Aussteller warten. Kein großer Fisch, den die Firmen hoffen zu angeln. Wir fallen aus dem Raster. Sind die Vögel im Paradies. Trotzdem schauen wir uns alles voller Begeisterung an und reden mit jedem, der nicht schnell genug hinter dem Tresen verschwunden ist. Es sind eine Million Eindrücke, die unser Startup noch lange begleiten werden.

An einem Stand mit auffällig schönen Faltschachteln aus Karton steht Pierre und lächelt uns einladend zu. „Wir sind nicht eure Kunden!“, platze ich leichtfertig heraus und bewundere dabei die edlen Verpackungen in der Vitrine. Pierre lässt sich davon nicht abschrecken. Wir erzählen ihm von unserem Projekt, genießen das sympathische Gespräch und liebäugeln ein letztes Mal mit den hübschen Verpackungen, bevor wir weiter unsere Runden ziehen.

Am Ende des zweiten Messe-Tages sind wir völlig erschöpft. Trotzdem will Sonja noch einmal den netten Pierre aufsuchen. Tschüss sagen. Dieser sieht uns schon von Weitem kommen und winkt uns herzlich zu sich. Scheinbar freut auch er sich auf eine entspannte Plauderei zum Abschluss der Messe. Er bietet uns ein Gläschen Sekt an.

Unverhofft sitzen wir am Tisch der rlc packaging group und erzählen von unserem Projekt, das sich in diesem großen und professionellen Umfeld ziemlich winzig anfühlt. Immer mehr rlc-Mitarbeiter gesellen sich zu uns. Aus anfänglicher Befangenheit entwickelt sich ein lustiges Gespräch über Kosmetik, Verpackung und Startups. Als der Chef dazu kommt, nimmt das Gespäch Fahrt auf. „Wir waren ja auch mal ein Startup irgendwie...“, sagt Stephan Bestehorn. Als Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, das 1861 gegründet wurde, ist er Teil der 5. Generation – mit 1.250 Mitarbeitern an insgesamt 8 Standorten in Deutschland, der Schweiz und Polen. Alle lachen und doch wird klar, was er meint. „Aber mal ehrlich: Wie können wir Euch unterstützen?“, fragt er.

Und dies ist der Anfang einer wunderbaren Geschichte.

 


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