Kapitel 13: Alle Wege führen zur KfW


Am Ende des Existenzgründerseminars verkündet der Seminarleiter die stolze Nachricht: Wer sich von der Existenzgründerhilfe beraten lässt, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl den Existenzgründerzuschuss erhalten als auch weitere Finanzierungsquellen erschließen. Beratung ist Trumpf und wird finanziell durch die KfW gefördert. Klingt alles höchst verlockend. Trotzdem sind wir zögerlich. Unser Berater ist ein gestandener Unternehmer. Trotzdem bezweifeln wir, dass er unsere Zielgruppe kennt, geschweige denn versteht und seine Aussagen zum Marketing passen eher zu einer Selbstständigkeit im klassischen Handwerk.

Also gehen wir auf die Suche nach anderen Beratern. Schnell wird klar, dass es eine Vielzahl gelisteter Unternehmensberater gibt, die auf dem KfW-Ticket „Existenzgründercoaching“ fahren. Unser zweiter Anlauf führt uns in ein schickes Bürogebäude am Kurfürstendamm. Bis zu 40T EUR Fördermittel verspricht der Schnell-Test auf der entsprechenden Webseite.

Ein mittelalter, schnittiger Herr empfängt uns und beginnt nach einem kurzen Pitch unsererseits seinen Maßnahmenkatalog über uns zu ergießen. So vieles müssten wir beachten und vor allem Traffic erzeugen, Traffic, Traffic, Traffic und ja, 5T EUR monatliches Budget für Marketingmittel seinen schon nötig… Er würde uns folgendes Anbieten: Er verschaffe uns einen Businessplan und eine Finanzierung. Erst wenn das Geld auf unserem Konto sei, wäre sein Job erledigt. Das würde uns nur 2T EUR kosten, weil die andere Hälfte durch die KfW beigesteuert würde.

Wir sind geplättet und geflasht. Vollends verdattert bin ich, als er uns auch noch unsere beiden Anschauungs-Päckchen abkauft, die wir zur Erläuterung unserer Geschäftsidee stets mitnehmen. Wäre das nicht ein Traum? Einer, der uns alle Probleme abnimmt und uns einfach das Konzept schreibt und das Geld besorgt? Trotzdem sind sich unsere Baugefühle einig: wir lassen uns nicht so überfahren. Diese Tour war einfach zu machomäßig. Außerdem brauchen wir nicht eigentlich etwas anderes? Jemand, der mit unseren realsitsichen Möglichkeiten arbeitet und mit uns eine langfristige gute Strategie entwirft? Also, danke, aber nein danke.

Der dritte Anlauf lässt Hoffnung schöpfen. Ein älterer Herr (Typ Professor) tritt bescheiden auf, gleichzeitig kompetent und mit den digitalen Notwendigkeiten vertraut. Eigentlich scheint alles zu passen und weil wir ja mal vorankommen wollen mit unserem Businessplan, tippe ich schon meine Zusage in die Tasten als Sonja doch noch einmal zweifelt. „Wir brauchen jemanden, der die Peer versteht, in der wir uns bekannt machen wollen. Das sind junge Leute. Coole, tolle Leute, die was schaffen im Leben und die Lust haben, hin und wieder was Neues zu entdecken. Das sind die jungen Macher. Gibt es denn keine jungen Berater? Menschen, die da einfach persönlich näher dran sind? Gerade in Berlin?“

Ein letztes Mal befragt Sonja das Netz und plötzlich stößt sie auf eine Seite, die wir zuvor übersehen hatten: Berlin Startup Consulting.


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