Kapitel 11: Investitionsstrategie


„Nimm möglichst wenig Geld in die Hand“, sagt mein Freund Hagen. Er selbst ist BWLer und erfolgreicher Freelancer. „Machs selbst, machs klein und schau erst mal wie es anläuft. Die gute Nachricht ist, du hast es geschafft, wenn du 1000 Päckchen pro Monat verkaufst.“ Hagen schaut mich bedeutungsschwer an. „Aber das ist auch die schlechte Nachricht. Denn 1000 Päckchen pro Monat. Das ist echt ´ne Ansage!“

Puh. Ja. Stimmt. Ich liebe unsere Idee. Aber werden auch andere das mögen? Um mich dieser Frage anzunähern, durchforste ich meinen Freundeskreis. Und siehe da, jeder und jede steuert gerne Ideen bei.

„Wie sieht dein Verkaufsplan aus? Zeig mal her“ ermutigt mich Chris, ein anderer Freund, der in einer Agentur für digitales Marketing arbeitet. Ich verrate zögerlich meine vorsichtigen Annahmen. „Was? Viel zu klein gedacht! Nach einem Jahr musst du schon bei 500 Päckchen pro Monat sein! Das geht! Such dir doch einnen Business-Angel. Die laufen haufenweise durch Berlin und suchen tolle Gründungsideen. Machs groß. Think big!“

So ist das. Zwei Experten. Zwei Meinungen. Und dazwischen sitzen Sonja und ich und müssen uns überlegen, wie wir strategisch vorgehen. Zwar bin ich aufgrund meiner beruflichen Vorerfahrung den Umgang mit großen Zahlen und komplexen kaufmännischen Sachverhalten gewohnt, aber wie finde ich die richtige Strategie für dieses neue Vorhaben?

Für das Hagen-Modell spricht, dass wir weniger Geld verbraten und erst mal testen können. Dagegen spricht, dass wir weniger Geld in die Hand nehmen, um die Sache richtig toll zu entwickeln.

Für das Chris-Modell spricht, dass wir das Geld anderer Menschen ausgeben, dagegen, dass es damit nicht mehr uns gehört und wir uns in Abhängigkeit zu Leuten begeben, die sicher anders ticken als wir. Welche Strategie hat nun eher Aussicht auf Erfolg? Groß und schnell oder klein und langsam?

Studien über Gründerinnen zeigen, dass die größten Hürden im Bereich Umsatzgenerierung, Marketing und Vertrieb liegen. Ganz gewiss wird das auch für uns die größte Herausforderung sein. Vertriebskanäle können wir nur mit ausreichend Geld aufbauen. Und festigen können wir sie nur, wenn unser Produkt fantastisch ist. Auch dafür muss Geld her.

Der ermittelte Kapitalbedarf für unser Projekt wächst von Woche zu Woche. Gleichzeitig wird das Gesamtkunstwerk runder und unsere anfängliche Scheu schwindet. Es muss doch einen Mittelweg geben! Auf der Suche nach unserer eigenen Antwort entscheiden wir uns schließlich für eine professionelle Gründerberatung.


Hinterlasse einen Kommentar


Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen