Kapitel 8 - Alles unter einen Hut?


Mein Mann macht keine langen Faxen. Er legt los und packt seine Bücher, Ordner und all den anderen Kram in Kisten und räumt das Arbeitszimmer frei. „Hier kannst du dich jetzt ausbreiten! Und wenn du dann einmal mit deiner Firma ausgezogen bist, dann kann der Kleine sein eigenes Kinderzimmer hier bekommen!“ freut sich mein pragmatischer Mann.

Auch wenn ich kein Vermögen besitze und vieles neu lernen muss, eines habe ich: Einen unfassbar loyalen Mann an meiner Seite, der sich über all meine verrückten Ideen freut und der unsere Gründung mit mir zusammen durchstehen will. Auch kennen wir als Ehepaar bereits die unvermeidbaren, anstrengenden Phasen, in denen Arbeit alles ist und jeden Raum für Familie, Freundschaft und Liebe nimmt. Die ein oder andere hübsche Krise haben wir da schon gemeinsam durchgestanden.

Ich nehme also das Angebot meines Mannes an und belege fortan das Arbeitszimmer mit all den Einkäufen und Probebestellungen, die wir inzwischen beinahe täglich nach Hause tragen.

„Coscoon fängt zwar nicht in der Garage an, aber in deiner Küche“ meint Sonja, die das neue Arbeitszimmer zwar schätzt, nicht jedoch den Trubel, den die Kinder jeden Tag verursachen. „Wie kannst du das nur so gut ausblenden? Dieses ständige Gewimmel und Gewolle…“

Ich zucke mit den Schultern. Was bleibt anderes übrig? Ich will nun mal beides: Kinder und Projekte. Alles unter einen Hut! Aber ich muss zugeben, dass ich zwischendurch auf das kinderlose Leben meiner Freundin neidisch bin. Und je voller das Arbeitszimmer wird und je größer die eingehenden Bestellungen, umso beengter fühle ich mich auch innerlich. Da sind wir zum Rühren verabredet, stattdessen muss erstmal geputzt werden, um überhaupt im Familienchaos den Raum für das Projekt zu schaffen. Das ist erschöpfend und nervig. Wir geraten an die Grenzen von homemade. Im wahrsten Sinne.


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